Grenzstation Colchane – Pisiga, Mittwoch, 15. Februar 2017, 8:30 Uhr

Und wieder heisst es warten! Seit vier Stunden an der Grenzstation Colchane/Pisiga. Um 9 Uhr verließen wir, Franziska und ich, gestern Abend im Bus Cochabamba in Richtung Iquique in Chile. Von dort bringt uns dann heute Abend um 8 Uhr das Flugzeug nach Santiago de Chile zurück. Zwei Wochen Bolivien gehen zu Ende. Was für wunderbare Erfahrungen dürfte ich in diesem Land machen! Vor allem auch in den letzten drei Tagen.

Wieder war ich „heim“ gekommen!

Die Busfahrt von Samstagabend auf Sonntagfrüh von Camargo nach Cochabamba war sehr anstrengend. Irgendwie hat’s immer irgendwo reingezogen, so dass es die ganze Fahrt über furchtbar kalt war. Ich konnte fast nicht schlafen. Um 10 Uhr fahren wir in die Stadt ein. Franziska ruft mich an und fragt, wo ich bleibe, ihr Bus aus Uyuni ist schon um 6 Uhr angekommen, seitdem wartet sie im Busterminal auf mich. Wir suchen uns zunächst mal ein Café mit Wifi. Beide haben wir einen riesigen Hunger und noch keine Ahnung, wo wir die Tage in Cochabamba verbringen werden. Ich weiß, dass es einen 90-jährigen Franziskanerpater aus der Eichstätter Gegend in der Pfarrei El Hospicio geben muss. Auf Google-map machen wir die Pfarrei ausfindig, sie ist ganz im Zentrum, nur zwei Quadras von unserem Café entfernt. Die Franzi kennt auch noch ein paar Freiwillige von Cristo vive Bolivia, die wohnen aber irgendwo ganz am Rand. Wir beschließen, zunächst mal in ein Hostal zu gehen, weil wir zu allererst einmal ein Bett und eine Dusche brauchen. Gleich neben dem Café finden wir auch eines. Es ist zwar eine ziemlich schmuddelige Absteige, aber weil es im Zentrum ist, wir so hundemüde sind und einfach überhaupt keine Lust mehr haben, lang weiter zu suchen, bleiben wir da.

Eine gute Stunde Schlaf und eine frische Dusche lassen uns wie neugeboren aufstehen. Franzi hat mit Leonie, einer Freiwilligen von Cochabamba, die sie vom Vorbereitungskurs her kennt, ein Treffen auf der Plaza del 25 de Mayo, der Plaza principal verabredet. Mit ihr besuchen wir gleich eine Hauptattraktion der Stadt, den Cristo de la Concordia, auf einem kleinen Hügel neben dem Stadtkern. Es ist die größte Christusstatue Lateinamerikas, größer als die in Rio. Wir fahren mit der Gondel hoch. Von oben haben wir einen herrlichen Ausblick auf die ganze Stadt.

Nach dem Abstieg – zu Fuß – suchen wir die Pfarrei El Hospicio. Ich möchte meinen Landsmann P. Miguel Brems gern kennenlernen und sprechen. Und ich habe Glück, er ist da. Ein 90-jähriger Franziskaner, der aber noch einen sehr fitten Eindruck macht. Er freut sich, so überraschend Besuch aus seiner alten Heimat zu bekommen. Seit ca. 60 Jahren ist er schon in Bolivien. Lange Zeit wirkte er mit Bischof Bösl in der Chiquitania. Dann baute er eine neue Franziskanerprovinz in und um Cochabamba auf. Ich habe Glück, dass ich ihn antreffe. Am nächsten Tag fährt er nämlich zum Provinzkapitel. Er steht also noch mitten im Leben und in der Seelsorge seines Ordens in Bolivien.

No para. Sie hält nicht still. Um 9 Uhr, am anderen Morgen, steht Schwester Karoline im Hostel. In der Nacht kam sie über Lima und La Paz von Santiago angeflogen. Rosario, eine Mitarbeiterin von Cristo vive Bolivia hat sie vom Flugplatz abgeholt. Mit Rosario hatte ich gestern Abend noch whatsapps ausgetauscht. Karoline hat die nächsten zehn Tage in Cochabamba zu tun. Das ist natürlich ideal, dann kann sie mir auch hier die Einrichtungen von Cristo vive zeigen.

Nach einem Frühstück geht es in das Büro von Rosario. Dort sind auch gerade zwei junge Architektinnen von der Universität Berlin gekommen. Sie bereiten den Bau eines Internates vor. In zwei Wochen kommen auch noch über zwanzig Architekturstuden aus Berlin dazu. Es ist ein Projekt zwischen den Universitäten von Berlin und Cochabamba. Vor zwei Jahren hatten sie schon eine Landwirtschaftschule errichtet.

Karoline, Rosario, Franzi und ich fahren zur Berufsschule, Studentenwohnheim, Kindergarten und Kulturzentrum in Bella Vista. Das war eine der ersten Gründungen von Cristo vive Bolivia. Victor, der Rektor führt uns voller Stolz durch alle Einrichtungen und Räume. Karoline lässt keine Kindergartengruppe aus. Überall herrscht sofort hellauf Freude über den Besuch der „Hermana“. Natürlich schauen wir uns auch noch die Landwirtschaftschule gleich daneben an. Ein sehr schönes, einfaches und ökologisches Gebäude, das die Architektinnen aus Berlin hier vor zwei Jahren errichteten. Jetzt sind Arbeiter schon fleißig dran, nebenan die Gräben für die Grundmauer des neuen Internates auszuheben. Auffallend: unter den Arbeitern, die aus den Quiche-Dörfern der Umgebung kommen, sind auch einige „Maurerinnen“. Zum Teil mit ihren typischen Faltenröcken und bunten Hemden gekleidet schieben sie die Schubkarren und schaufeln den Mörtel. Im Kindergarten treffen wir auch wieder Leonie, die Freundin von Franziska.

Dann geht’s weiter nach Tirani, einem anderen Stadtrandviertel in der Nähe von Bella Vista. Hier liegt der Ursprung von Criste vive Bolivia. 1999 haben Karoline und Mercedes die Comunidad de Jesús Bolivia gegründet. Heute gibt es hier einen Kindergarten und eine Suppenküche für Kinder. In einem Haus, das ursprünglich als Noviziat gedacht war, wohnen jetzt Freiwillige aus Deutschland, Chile und Argentinien.

Gewaltig, was Karoline mit den Mitarbeiterinnen von Cristo vive Bolivia hier in den letzten 17 Jahren alles aufgebaut hat. Ein ähnliches Werk, wie das in Chile. Man merkt aber, dass es jünger ist, als das in Chile. Was vor allem fehlt, vertraut mir Karoline an, ist eine gründliche seelsorgliche Begleitung. Da merkt man, dass es hier leider nicht wie in Santiago eine starke und beständige Basisgemeinde gibt, von wo, wie aus einer Keimzelle, alles herauswächst und durchdrungen wird.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s