Flughafen Santiago de Chile, Donnerstag, 16. Februar 2017, 13:11 Uhr

Ein letztes Mal Warten auf dieser Reise in Chile und Bolivien. Ich sitze im Flughafen von Santiago de Chile. Mehr als vier Wochen war ich nun unterwegs. Eine einzigartige Gelegenheit, in diese andere Welt einzutauchen und sie kennen zu lernen. Ich bin äußerst dankbar dafür, dass mir das möglich war, und für alles, was ich erleben durfte.

Nach Hause kommen. Dieses Gefühl hatte ich mehrmals. Von Anfang an und immer wieder. Bis zum letzten Tag. Noch nie hatte ich meine Füße auf chilenischen oder bolivianischen Boden gestellt. Trotzdem fühlte ich mich immer wie daheim. Gut, ich war ein paarmal schon in lateinamerikanischen Ländern, auch in afrikanischen, wo mir manches bekannt oder auch ähnlich vorkam. Aber trotzdem, fast alles war neu und irgendwie auch fremd.

Nach Hause kommen. Das hab ich vor allem erfahren dürfen, weil ich nach einem halben Jahr meine Nichte Franziska wieder getroffen habe. Auch wenn sie in den zwei Wochen, in denen ich in Santiago war, arbeiten musste und wir nur ein paar mal was am Abend oder an ihren freien Tagen miteinander machen konnten, und in Bolivien waren wir auch nur drei Tage miteinander unterwegs, hat das Zusammensein mit ihr mir das Gefühl von Familie und Daheimsein gegeben. Egal, wo auf der Welt man sich gerade befindet, wenn dort auch ein Mitglied der eigenen Familie ist, dann ist da auch Familie als Ganzes. Und mit der Franzi in ganz besonderer Weise!

Nach Hause kommen. Menschen wie Schwester Karoline, Weihbischof Bittschi, P. Juan Bauer oder Christof Mikolajetz, die ich seit Jahrzehnten kenne und mit denen ich befreundet bin, weckten ein ähnliches Gefühl von Heimkommen in mir. Menschen, mit denen man eine bestimmte Wegstrecke des eigenen Lebens miteinander gegangen ist und wichtige Erfahrungen miteinander geteilt hat, die lassen einen so etwas wie Heimat erfahren. Egal, an welchem Fleck der Erde das auch sein mag und wie weit entfernt vom Elternhaus.

Nach Hause kommen. Dieses Gefühl haben mir auf meiner Reise in den vergangenen Wochen aber auch ganz fremde Menschen vermittelt. Menschen, die ich kennenlernen durfte, von denen ich ein Stück ihres Lebens, ihrer Arbeit, ihrer Hoffnungen, Visionen und ihres Glaubens kennenlernen durfte. Auch wenn ich nur ein paar Stunden oder Momente mit ihnen zusammen war.

Nach Hause kommen. Diese Erfahrung dürfen wir immer dann machen, wenn wir am Leben von anderen wirklich teilhaben. Wenn uns andere wahrnehmen und anerkennen, so wie wir sind. Wenn eine Begegnung in der Tiefe stattfindet. Und damit eine gegenseitige Bereicherung.

Nach Hause kommen. Das ist nicht einfach nur ein schnelles Gefühl, wie es Petrus auf dem Berg Tabor bei der Verklärung seines Herrn überkam. Nicht der blendende Glanz und die blinde Begeisterung des Augenblicks. Das ist vielmehr die Erfahrung der Maria Magdalena am Grab, die den Herrn erkennt, als er sie mit ihrem Namen anspricht und sie sich daraufhin ihm zuwendet. Als sie ihn erkennt als den Auferstandenen. Als er ihr verbietet am Alten festzuhalten. Als er sie zu den Jüngern sendet und sie beauftragt, die Botschaft von der Auferstehung zu verkünden.

Nach Hause kommen. In den vergangenen vier Wochen in Chile und Bolivien durfte ich wieder einmal in meinem Leben die Erfahrung machen, dass der Herr lebt. Dass seine Botschaft, das Evangelium wahr ist. Dass das Reich Gottes angebrochen und da ist. Und immer weiter wächst und sich ausbreitet. An so vielen und unterschiedlichen Orten dieser Welt. Und dass ich mitten in diesem Reich Gottes meinen Platz habe. Meine Verantwortung, meine Aufgabe. Meine Heimat.

Dafür bin ich im Innersten meiner Seele dankbar.

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