Busbahnhof von Monteagudo, Samstag, 4. Februar 2017, 7:47 Uhr

In Sucre begegne ich bis jetzt am intensivsten der Kultur der Indigenas Boliviens. Die Führerin in der Casa de la Liberdad hat ganz stolz darauf hingewiesen, dass in Bolivien über 30 verschiedene Völker existieren. Kulturen mit ganz eigenen Traditionen und zum Teil eigenen Sprachen. Diese Indígena-Kulturen wurden lange Zeit überhaupt nicht geschätzt, ja oft bewusst unterdrückt. Auch die indígenas selber schämten sich nich selten ihrer Herkunft. Die indigenen Kulturen galten als primitiv. Erst in jüngster Zeit wird man sich seiner Herkunft langsam bewusst und fängt an sie zu schätzen. Die Regierung Evo Morales hat deshalb diese multikulturelle Beschaffenheit Boliviens auch im Namen ausdrücken wollen, Estado Plurinacional de Bolivia. (Wobei es sich ja eigentlich nicht um diverse „Nationen“ im politischen Sinn handelt, sondern eher um Völker.)

Im Franziskanerkloster La Recoleta und im benachbarten Museo de arte indígena, das ich am Mittwochvormittag besichtige, lerne ich Sucres aufregende Kirchengeschichte mit seiner interessanten Kultur kennen. Auch hier wieder eine prächtige Kirche mit kolonialem Prunk, wie ich ihn eigentlich nicht zum franziskanischen Geist passend finde. Vier Kreuzgänge oder Patios verbinden die verschiedenen Gebäuden, sie bieten den Brüdern und den Besuchern angenehmen Schatten und Ruhe.

Im kleinen Museum werden auch Musikinstrumente und Originalpartituren aus dem 18. Jahrhundert ausgestellt, Noten für Orgel, Motetten und Messen für mehrstimmigen Chor. In den Gottesdiensten der jungen Kirche Boliviens muss also große Barock-Musik erklungen sein. Auch im Diözesanmuseum, das mir am Donnerstag gezeigt wurde, habe ich wieder ähnliche, alte und vergilbte Partituren gesehen. Adolfo sagte mir, dass es auch an der Kathedrale eine sehr ausgeprägte und hochwertige Kirchenmusik gab.

Äußerst interessant finde ich aber vor allem das Museum der indigenen Kunst. Eine Frau sitzt am Webstuhl und lässt langsam ein Tuch mit den kunstvollen Bildern und Symbolen entstehen. Es sind ganz feine Zeichnungen, die fast an moderne, abstrakte Monogramme erinnern. Und auch hier wieder unterschiedlichste Musikinstrumente.

In Sucre treffe ich mich mit einem Neffen von Lourdes, meiner Hausfrau in Barcelona. Sie stammt aus Culpina, wohin meine Reise nächste Woche gehen wird. Jose Luis ist ein Sohn Hildas, der ältesten Schwester von Lourdes, und studiert an einer der vielen Universitäten Sucres Informatik.

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