Santiago de Chile, Samstag, 28. Januar 2017, 23:58 Uhr

Seit ich nun die knapp zwei Wochen in Chile bin, versuche ich ihn zu treffen. Keiner weiß genau, wo er gerade ist. Er lässt sich nicht festlegen. Tut genau das – und das oft völlig spontan – was er gerade für am notwendigsten hält. Karoline schätzt ihn auf 83 Jahre. Er ist immer noch Pfarrer in Mitten eines Armenviertels. Mariano Puga.

Er stammt aus der obersten Aristokratie Chiles. Studierte zunächst Architektur, dann Theologie. Promovierte in Liturgiewissenschaften in Paris. Als er nach Chile zurückkam, schlug er eine vorgezeichnete Kirchenkarriere aus, wurde Arbeiterpriester und zog in ein Armenviertel. Die Hütte, die er sich aus ein paar Brettern zusammen baute, war gerade ein paar Quadratmeter groß, konnte er abbauen und nahm er an seine verschiedenen Wohnorte mit, er nannte sie „Penelope“. Mariano war Arbeiterpriester, das heißt, halbtags ging er arbeiten, die andere Zeit widmete er sich der Seelsorge. Er war Anstreicher. Auf unserer Fahrt durch das Zentrum Santiagos zeigte er uns die Häuser, deren Fassaden er mit seinen Compañeros vor Jahren eine neue Farbe gab.

Die meiste Zeit seines Wirkens verbrachte Mariano in Santiago. Einige Jahre lebte er aber auch mal im Süden Chiles. Vor ein paar Jahren kam er nach Santiago zurück, sein Herz und die Lunge zwingen ihn, etwas ruhiger zu treten. Inzwischen hat er auch die Aufgabe als internationaler Sprecher der weltweiten „Gemeinschaften Jesu“, der verschiedenen Gemeinschaften im Geiste Charles de Foucaulds aufgegeben.

Maruja, Karoline und ich holen ihn ab in der Benediktiner-Abtei in Las Condes, im Norden Santiagos. Hier hatte er sich mit einem alten Freund getroffen, dem Benediktiner-Mönch Gabriel Guarda, Architekten und Konstrukteur des Klostergebäudes in Las Condes. Sie hatten beide miteinander Architektur studiert. [Zur Architektur des Benediktinerklosters siehe später einen extra Blogbeitrag.]

Im kleinen Garten des „Pfarrhauses“ – seine geliebte „Penelope“ musste er vor einigen Jahren aufgeben – setzten wir uns zu Kaffee und Tee zusammen. Die Hermanas brachten Panetone, Marmelade und eingemachtes Obst mit. Natürlich zeigte er uns auch das Innere seiner bescheidenen Wohnung. Besonders stolz ist er auf den winzigen Meditationsraum (maximal 3 qm), hier betet er vor einer kleinen Ikone, die im Besitz von Mons. Oscar Romero war, dem inzwischen heiliggesprochenen Märtyrer-Bischof von El Salvador.

Bevor wir uns von ihm verabschiedeten, zeigte er uns noch seine Kirche. Er erklärte uns, wie er die Liturgie mit der Gemeinde feiert. Die Stühle sind vor dem Altar in Ellipsenform angeordnet. Das heißt, am Anfang der Achse durch die Mitte der Ellipse, bei der Eingangstür, steht der Taufbrunnen. Dann kommt in der Mitte der Ambo für das Wort Gottes. Am Ende der Achse, vor einem großen Wandbild, steht der Altar, an dem die Eucharistie gefeiert wird. Die Predigten sind immer dreigeteilt: zunächst erklärt Mariano den Sinnzusammenhang, in dem der Evangeliumstext steht, eine kleine Exegese also. Dann wiederholen Gottesdienstteilnehmer Sätze oder Begriffe, die ihnen auffallen, von denen sie besonders angesprochen wurden, die ihnen besonders wichtig erscheinen. Alle werden also aufgefordert, zu sagen, was ihnen persönlich das soeben gehörte Wort Gottes sagt. Und schließlich fragen sich alle, was dieses Wort Gottes nun für sie persönlich, konkret bedeutet, was es für den einzelnen Gläubigen und die ganze Gemeinde für Konsequenzen haben könnte. Beim Eucharistischen Hochgebet versammelt Mariano alle um den Altar. Einzelne Teile aus dem Hochgebet lässt er „ministros del altar“, Kommunion- und Wortgottesdiensthelfer vorbeten.

Wie schade, dass ich keinen Gottesdienste mit ihm erleben konnte. Muss also unbedingt noch mal kommen und ein paar Tage mit ihm leben.

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