Santiago de Chile, Sonntag, 22. Januar 2017, 17:42 Uhr

Sitze am Busbahnhof „Universidad de Santiago“ und warte auf meinen Bus in den Süden, nach Osorno. Das heißt, ich werde nur bis Freire fahren und hoffe, dass mich der Busfahrer dort aussteigen lässt. Die freundliche Dame am Schalter konnte mir die Karte leider nicht mehr umtauschen, weil ich eine halbe Stunde zu spät kam und sie jetzt nicht mehr in das Computerprogramm rein kann. P. Juan Bauer, mit dem ich mich in Osorno (etwa 900 km südlich von Santiago) treffen wollte, rief mich heute Früh an und sagte, er müsse wegen einer Beerdigung nach Pucón, etwa 200 km nördlich von Osorno. Deshalb müssen wir unsere geplante Tour kurzfristig umdisponieren. Wir werden nicht von Osorno aus in den Süden nach Puerto Montt Puertovaras fahren, sondern wir werden uns in der Gegend von Pucón aufhalten. Mal schauen, ob der Busfahrer mitmacht. Der Bus geht um halb neun. Habe also noch etwas Zeit. Deshalb bestellte ich mir auch zuerst mal ein kühles Bier.

Die Tage in Chile vergehen wie im Flug. Und es passiert so wahnsinnig viel. Ich komme gar nicht dazu, alles zu verarbeiten, von wegen hier im Blog festzuhalten.

Heute – Sonntag – feierten wir Messe in Cristo vive. Ein wunderschöner Gottesdienst. Aufgrund der zahlreichen Begegnungen in den letzten Tagen kenne ich ja schon so viele Leute. Und vor allem auch dadurch, dass ich Karoline und der Fundación Cristo vive schon seit 23 Jahren verbunden bin. In all den Jahren hatte ich sehr oft mit Karoline Kontakt und häufig gehört, was in Chile, Peru und Bolivien durch die Fundación Cristo vive inzwischen alles entstanden ist. In der Messe heute sah ich viele Gesichter wieder, die mir von der vergangenen Woche her vertraut waren: die morgendliche Rund, die sich täglich zum Bibelteilen und Frühstück im Haus von Karoline trifft, Leute, die ich auf der Straße kennengelernt habe, und natürlich Franzi mit einigen Freiwilligen.

Das ist es auch, was eine schöne Messfeier ausmacht, dass man miteinander verbunden ist und eine Gemeinschaft bildet. Wir haben unseren Glauben wirklich miteinander gefeiert und so konnten wir auch das Schwere der Menschen mittragen. Eine Familie, zum Beispiel, hat am Mittwoch ihren Vater verloren. Am Freitag haben wir im Leichenhaus neben der Kirche eine Aussegnung gehalten und heute am Ende der Messe wurde der Familie an der Osterkerze eine Kerze entzündet und für den Verstorbenen gebetet. Mein Eindruck ist, dass der ganze Gottesdienst von vielen aktiv mitgetragen wird: eine große Musikgruppe sorgte für die Begleitung der Lieder, jemand moderierte und kommentierte einzelne Teile, die Ansagen am Schluss waren sehr praktisch …

Die ganze Messfeier hat mir sehr gut getan. Ich musste als Priester gar nicht viel machen, brauchte mich nur in die Hände der ganzen Gemeinschaft begeben. Und so ging mir auch die Predigt einfach von den Lippen.

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