Santiago de Chile, Donnerstag, 26. Januar 2017, 12:22 Uhr

Mit dem Bus bin ich heute Nacht von Temuco nach Santiago zurückgefahren. Er hatte eine halbe Stunde Verspätung, so dass wir erst um halb 12 losfuhren und um halb acht dann in den Busbahnhof an der Metro-Station „Universidad de Santiago“ einfuhren. Ich habe fast die ganze Zeit über geschlafen – im Gegensatz zur Busfahrt von Sonntag auf Montag. Nicht einmal ein Kapitel konnte ich in meinem Buch lesen, so müde war ich – und ich hätte doch noch so gern die letzten 40 Seiten des interessanten Buchs von Joachim Meyerhoff „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ fertig gelesen.

Hier noch ein paar Eindrücke von den drei Tagen in der Araucania:

Den Kapuziner P. Juan Bauer kenne ich schon aus meiner Kindheit. Er stammt aus dem kleinen Dorf „Böhmfeld“ im Landkreis Eichstätt. Sein Bruder, der „Luggi“, ist der größte Bauer in meinem Heimatdorf Tauberfeld und sein Hof steht gleich gegenüber von der Kirche mitten im Dorf. Alle zwei, drei Jahre, wenn P. Juan auf Heimaturlaub war, besuchte er auch die Familie vom Luggi. Dabei feierte er dann auch oft eine Messe in unserer Kirche, bei der wir Kinder ministrierten. Anschließend hielt er manchmal noch einen Lichtbilder-Vortrag über die Mission der bayerischen Kapuziner in Chile. Als Jugendpfarrer in Schelldorf lernte ich dann auch seine große Verwandtschaft in Böhmfeld kennen, seine Geschwister, Neffen und Nichten. Und als ich dann in Ingolstadt Pfarrer von St. Augustin und verantwortlich für die spanisch sprechende Gemeinde war, trafen wir uns auch da ein paar mal.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts sind die bayerischen Kapuziner in der Aurakanie Chiles tätig. Es haben sich dort auch viele Deutsche angesiedelt. Das war aber weniger der Grund für das Kommen der bayerischen Kapuziner. Vielmehr sollten sie die Gegend „missionieren“ und eine Kirchenstruktur aufbauen. Von Seiten der chilenischen Regierung – die die Mission der Kapuziner stark unterstützte – wollte man vor allem das Volk der Mapuche-Indianer inkulturieren und in die chilenische Gesellschaft eingliedern. Damit sollte das Land noch mehr zum Süden hin geöffnet werden.

P. Juan war 12 Jahre lang Pfarrer in Pucón – viele Jahre natürlich auch in ein paar anderen Pfarreien. Die kleine Stadt Pucón mit seinen ca. 15.000 Einwohnern ist wunderschön gelegen an dem See „Villarrica“. In den letzten Jahren hat sich das Städtchen zu einem der quirligsten Tourismusmagnete Chiles entwickelt. In unmittelbarer Nähe zum See erhebt sich der mächtige Vulkan „Villarrica“. Seine 2.840 Meter hohe Spitze ist das ganze Jahr über mit Schnee bedeckt. Aus dem Krater dringt ständig weißer Rauch. Das letzte mal ist er in den siebziger Jahren ausgebrochen – glaube ich. Der „kleine Süden“, wie man diese Region zwischen Temuco und der Isla de Chiloé nennt, ist voll von Seen. Sie bildet zwischen den Anden und der Pazifikküste einen herrlichen Landstreifen, der mit seiner saftig grünen und bergigen Landschaft an die Schweiz erinnert. Die bunten Holzblockhütten auf dem Land, in denen vor allem die Mapuche leben, geben der Gegend einen fast europäischen, rustikalen Charakter.

Von Pucón aus durfte ich in den vergangenen Tagen mit den drei Bauer-Brüdern schöne Ausflüge in die umliegenden Naturparks machen. Am Montag fuhren wir an den wunderschönen kleinen See „Huife“. Als wir gegen 12 Uhr ankamen, waren wir noch die ersten. Erst mit der Zeit kamen noch andere Erholungssuchende dazu. Auf der Wiese breiteten wir unser Picknick aus: Brot, Salami, Käse, Oliven, Bier, Rotwein, Wasser und eine Riesenmelone. Das klare Wasser war herrlich zum Baden. Am Ufer lag ein Paddelboot, mit dem ich auch mal hinausfuhr. Beim Lesen in der Sonne holte ich mir einen leichten Sonnenbrand.

P. Juan kannte die Familie, die die Wiese mit Grillplatz vor dem See verwaltet. Fast überall kannte P. Juan die Leute, und die Leute kannten ihn, so hatten wir immer sehr schnell Kontakt mit den Einheimischen. Er erzählte uns auch immer interessante Geschichten über Land und Leute, was uns die Gegend noch mehr erschloss! Auf unserem Rückweg nach Pucón machten wir am Montagabend noch Halt bei einem Mapuche-Markt. Die Besitzer – wieder alte Bekannte von P. Juan – luden uns zu einem frisch gebackenem Brot und einem leckeren Traubensaft ein.

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