Santiago de Chile, Dienstag, 17. Januar 2017, 23:16 Uhr

Es war eine lange Nacht, eine sehr lange Nacht. Ungefähr 13 Stunden ist die Iberia-Maschine von Madrid nach Santiago de Chile non-stopp durchgeflogen. Von kurz nach Mitternacht (Ortszeit Madrid) bis halb zehn vormittags (Ortszeit Santiago). Ein paar Stunden hab ich sogar geschlafen.

Franzi und Schwester Teresa haben mich am Flughafen schon erwartet. Die tia, die Erzieherin im Kindergarten, wo Franzi ihren Freiwilligendienst macht, hat ihr sogar den ganzen Tag frei gegeben, um ihren Onkel vom Flughafen abholen zu können. Teresa ist ein Mitschwester von Karoline, eine gebürtige Deutsche, die seit mehreren Jahrzehnten in den Armenvierteln von Santiago lebt und arbeitet. Ich war ja schön öfters in verschiedenen Ländern Lateinamerikas und würde mich auch irgendwie allein zurecht finden. Aber es ist dann doch immer sehr schön, wenn man von Freunden erwartet und abgeholt wird.

Eine halbe Stunde geht’s mit dem kleinen Mitsubishi der Schwesterngemeinschaft durch einen wilden Stadtrandverkehr. Ziel ist die Kindertagesstätte „Sala cuna naciente“, die erste Gründung der Stiftung „Cristo vive“ (1973) und irgendwie auch das Herzstück der Einrichtungen der fundación. Hier erwartet uns Maruja, die dritte der Schwesterngemeinschaft, wir haben uns vor vielen, vielen Jahren schon mal in Eichstätt kennengelernt. Auch hier werde ich freudig erwartet und empfangen. Karoline ist gestern früh nach Peru geflogen, wo sie eine Woche verschiedene Aufgaben zu erledigen hat (auch in Peru hat die Fundación Cristo vive einige Projekte). Sie hat mir eine Willkommens-Karte mit einigen Tipps und Kontakten hinterlassen.

Teresa hat sich verabschiedet, sie muss ihren täglichen Aufgaben nachgehen. Nach einem kurzen Frühstück zeigt mir Maruja die Einrichtung. Vier Gruppen, Kinderkrippe und Kindergarten, mit jeweils ca. 20 Kinder, einer Erzieherin, einer Kinderpflegerin und einer oder einem deutschen Freiwilligen. Ab nächste Woche ist die Einrichtung wegen der Sommerferien geschlossen, deshalb sind zum Teil nicht mehr so viele Kinder da. Auf der anderen Straßenseite nochmal ein Gebäude, hier sind es acht Gruppen, und wenn alle Kinder kommen, sind es bis zu 30 pro Gruppe. Vor einigen Jahren ist die alte Holzbarracke mit der finanziellen Unterstützung der Fürstentums Luxenburg durch zweckmäßigere Bauten ersetzt worden. Gleich neben der Kindertagesstätte sind die Räume von „Dios con nosotros“, einer Einrichtung für erwachsene Behinderte. Auch hier freuen sich alle über den Kurzbesuch von Maruja.

Sie bringt mich schließlich zu Margali, einer Freundin der kleinen Kommunität, die ganz in der Nähe im selben Viertel, Recoleta, ein kleines Häuschen bewohnt. Bei ihr darf ich die Tage in Santiago zu Gast sein. Sie bietet immer wieder Gästen von Karoline ein Unterkunft an. Sie spricht auch ausgezeichnet Deutsch, da sie viele Jahre in Deutschland gelebt hat. Ich bin sofort zuhause. Erika, eine Freundin von ihr, ist auch gerade hier. Wir setzen uns an den Tisch und beten ein spontanes Dankgebet.

Aber nun brauch ich zuerst mal ein frische Dusche. Ich bin ja vom kalten Winter in den Hochsommer gekommen (um die 30 Grad). Franzi möchte mir noch etwas von der Stadt zeigen, bevor sie am Abend eine Gruppenstunde halten muss. Wir fahren mit der Metro ins Zentrum. Beide haben wir einen Morz Kohldampf. Deshalb bestelle ich mir auch gleich eine Riesenplatte Gegrilltes, dazu ein süffiges, kühles Bier. Der Spaziergang fällt dann recht kurz aus. Ich merke, dass ich wenig geschlafen habe, und das Bier tut das seine dazu.

Erster Tag. Ich bin da.

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