Madrid Flughafen, Montag, 16. Januar 2017, 23:07 Uhr

Mehr als 22 Jahre hat’s jetzt endlich gedauert. Immer wieder hat sie mich gebeten, zugeredet und bearbeitet. Sogar einen Brief an meinen Bischof hat sie mal geschrieben. Sie bräuchte mich unbedingt. Ich müsste und könnte dort so viel machen. Für die Menschen. Für die Armen. Für das Reich Gottes. Wenigstens besuchen sollte ich sie doch mal.

Ich kenne ganz wenig Menschen, die andere Menschen so begeistern und faszinieren können, wie Schwester Karoline Mayer. Vor ungefähr 23 Jahren habe ich sie kennen gelernt. Sie stammt zwar aus einem kleinen Nachbardorf zu dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, ging aber nach Santiago de Chile, da war ich noch ein Kind. In meiner Kaplanszeit haben wir eine große Aktion veranstaltet für ihre Stiftung „Cristo vive“. Bei einem ihrer Deutschlandaufenthalte wurden wir auf sie aufmerksam, und dann hat sie uns alle – die Jugendlichen genauso wie die Seelsorger – in ihren Bann gezogen. Ich weiß nicht mehr, wie viele Zehntausende von Mark wir damals bei unserem Fest „Alabaré“ für das Berufsbildungszentrum „Clodario Blest“ in Santiago de Chile gesammelt haben.

Das Großartige und Besondere war aber nicht das viele Geld. Es war die Begeisterung, der Schwung, die Motivation, die Freude am Glauben und an den Menschen, was „Alabaré“ und Schwester Karoline bei uns ausgelöst hat.

Nach dieser einmaligen Aktion wurde ich Jugendpfarrer. Danach Gemeindepfarrer. Es gab anderes, das mich beschäftige und mein Leben in Anspruch nahm, und es ergab sich nicht, dass ich nach Chile flog und Karoline und ihr Werk besuchte. Immer wieder kam was anderes dazwischen. Der Wunsch blieb aber bestehen. Ich wollte unbedingt mal vor Ort kennenlernen, was diese Frau in Chile – und inzwischen auch in Bolivien und Peru – für die Menschen gemacht hat. Immer wieder sahen wir uns kurz bei einem ihrer Deutschlandbesuche. Viele Freunde und Bekannte von mir haben inzwischen als Freiwillige oder Mitarbeiter in einem ihrer Projekte für kürzere oder längere Zeit gearbeitet. Ich kenne niemanden, der nicht begeistert und vor allem auch im Glauben gestärkt zurück kam.

Und jetzt sitze ich in Madrid im Flughafen und warte auf meinen Anschlussflug nach Santiago. Irgendwie kann ich es noch gar nicht glauben. Gestern Abend habe ich mit ihr und meiner Nichte Franzi – sie verbringt gerade ein Freiwilligenjahr bei ihr – telefoniert. Sie freuen sich alle riesig. Ja, und ich erst!

Es war noch so wahnsinnig viel los in den letzten Tagen. Bis gestern Mittag waren noch die Freiwilligen der deutschsprachigen katholischen Gemeinden Europas zu einem 4-tägigen Seminar in Barcelona, davor war das Fest der Dreikönige und über Neujahr war ich ein paar Tage in Eichstätt bei meiner Familie. Irgendwie konnte ich mich gar nicht richtig auf meinen Lateinamerika-Tripp vorbereiten. Heute, Montag, habe ich mit dem packen begonnen. Aber vielleicht ist es ja am besten, keine zu festen Pläne zu machen. Ich weiß ja noch gar nicht, was da alles auf mich zukommt. Wie soll ich da schon konkrete Pläne machen?!

Ich bin einfach gespannt. Furchtbar gespannt. Und ich freue mich. Auf Santiago und Chile – und auch auf Bolivien. Auch dieses nördliche Nachbarland von Chile werde ich zehn bis vierzehn Tage. Adolfo Bittschi, ein Eichstätter Diözesanpriester ist in Sucre seit ca. zehn Jahren Weihbischof. Christoph Mikolajetz aus Nürnberg, er hat mit mir in Eichstätt Theologie studiert, ist Pfarrer Bolivien. Und vor allem – Lourdes und ihre Familie, die ich schon aus Ingolstadt kenne und die jetzt in unserer deutschsprachigen Gemeinde in Barcelona arbeitet, stammt aus dem Süden Boliviens. Seit Jahren verspreche ich, ihre Geschwister und deren Familien mal zu besuchen.

Ein großes Pensum. Beziehungsweise viele Menschen, die ich besuchen, treffen oder auch kennenlernen möchte. Mal schauen, was realistisch und sinnvoll ist, was sich ergibt. Am besten ich lass einfach alles mal auf mich zukommen. Es kommt ja eh, wie’s kommt. Und es wird gut – bestimmt!

Tiempo de Boarding. Es kann losgehen!

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