Fastengedanke, 1. Fastenwoche, Samstag

Es gibt wenige Gebete in der christlichen Tradition, die das gläubige Vertrauen so radikal zum Ausdruck bringen, wie das „Nada te turbe“ der Santa Teresa de Jesús (manche Theologen und Literaturwissenschaftler sagen, das Gebet sei eigentlich von Juan de la Cruz, ihrem geistlichen Begleiter, für Teresa geschrieben worden).
Glaube bedeutet, sich auf etwas stützen, was ich eigentlich nicht fassen, sehen oder erkennen kann. Es ist, wie in einem dichten Nebel oder in einer dunklen Nacht einen Halt wissen.
Die biblischen Bilder für die Gegenwart Gottes sind häufig genau diese Bilder von Nebelwolke oder Nacht:
Vor der Erschaffung der Welt lag Finsternis über der Urflut
Gott führt Abraham hinaus in die Nacht, um ihm mit dem Sternenhimmel seine große Zukunft zu zeigen
Gott zieht dem Volk Israel in einer Wolkensäule voraus durch die Wüste
Gott spricht zu Mose aus einer dichten Wolke auf dem Berg Sinai
Jesus wird auf dem Berg Tabor in eine Wolke verhüllt, aus der Gott spricht
Als Jesus am Kreuz stirbt, bricht über die Erde eine Finsternis aus
Gott ist gegenwärtig – vor allem – in der Finsternis, im Unerkennbaren, Unfassbaren.
Und nur in der Finsternis kann man Gott „sehen“.
Im Unfassbaren fassen.
Im Unerkennbaren verstehen.
Allein wer fragt, bekommt Antwort.
Die verzweifelte Klage lässt Vertrauen entstehen.
Nur aus dem Zweifel kann Glaube wachsen.
Wer glaubt, hat gelernt,
zu sehen, was eigentlich nicht gesehen werden kann.
Zu hören, was eigentlich nicht gehört werden kann.
Zu wissen, was eigentlich nicht gewusst werden kann.
Der Glaubende ist wie ein Maler, der sichtbar macht, was man nicht sehen kann.
Der Glaubende ist wie ein Musiker, der zum Klingen bringt, was man nicht hören kann.
Der Glaubende ist wie ein Poet, der in Worte fasst, was man nicht in Sprache erklären kann.
La paciencia, die Geduld ist der Weg zu dieser Kunst, der Weg zu diesem Glauben.
Nada te turbe,
nada te espante,
todo se pasa,
Dios no se muda,
la paciencia
todo lo alcanza.
Quien a Dios tiene
nada le falta.
¡Sólo Dios basta!
Nichts soll dich verwirren
nichts soll dich beirren
alles vergeht.
Gott wird sich stets gleichen
Geduld kann erreichen,
was nicht verweht.
Wer Gott kann erwählen,
nichts wird solchem fehlen:
Gott nur besteht.
(Übertragung Erika Lorenz)