Weihnachtsgedanke

art_00506_zoom.jpg
Hilde Reiser, Ein Lichtspalt, 2008
Ich komme gerade von der Christmette der Gemeinde. Ein kurzer, intimer Moment in der Mitte der Weih-Nacht.
Nur eine kurze Stunde lang. Ein Moment.
Ein kleiner Lichtpunkt in der Fülle der großen Nacht des Lebens.
Und doch – ein Moment des hellen Lichtes.
Ein Moment, der den Rest der Nacht verändert.
Es war ein schmaler Spalt, der das Licht durch die Nacht dringen ließ. Am Kreuz vorbei.
Ein Lichtspalt so schmal und scharf wie das Kreuz.
So dunkel und schwarz das Kreuz ist, so hell und leuchtend ist auch der Strahl.
Es gibt keine Dunkelheit, in die sich nicht ein Lichtspalt drängen könnte.
Und wo das Licht unseres Gottes durch einen Spalt meines Lebens, meiner Dunkelheiten auf meinen innersten Kern trifft, da ereignet sich Weihnachten bei mir.
Ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest wünscht allen von Herzen
Ottmar Breitenhuber

Adventsgedanke – Dienstag, 3. Woche

Das Leben ist nicht immer nur ein Honiglecken. Das Leben fordert uns heraus, verlangt Mut, Ausdauer und Geduld.
Und Tapferkeit.
Das Wort gefällt mir. Auch wenn es vielleicht etwas mittelalterlich klingt.
Ein Ritter ist tapfer. Er kämpft für die Sache, von der er überzeugt ist. Mit seiner ganzen Person setzt er sich für die gute Sache ein.
Dabei geht er auch ein unkalkulierbares Risiko ein. Auch Wunden, Verletzungen nimmt er in Kauf.
Der Einsatz, der Kampf für die gute Sache hat auch seinen Preis.
Für die 3. Adventswoche wünsche ich Dir Kraft, Mut, Geduld – und echte Tapferkeit.
Übrigens:
Wenn Du wissen willst, was Tapferkeit ist, also wirkliche Tapferkeit, nicht nur ein bisschen Mut, dann musst Du unbedingt dieses herrliche und unvergleichliche Buch lesen:
Felicitas Hoppe, Iwein Löwenritter. Erzählt nach dem Roman von Hartmann von Aue, S. Fischer Verlag
Ich kenne kein Kinderbuch, das mich mehr fasziniert hat als dieses (und ca. 15 Kindern und Erwachsenen auch, denen ich es einmal während eines Sommerurlaubs vorlesen durfte). Und wenige Bücher erzählen von so einer tiefen Lebenswahrheit.

Adventsgedanke – Mittwoch, 2. Woche

br-klassik (das Klassik-Radio des Bayerischen Rundfunks) hat heute in seinen klingenden Adventskalender den Choral „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ von Philipp Nicolai (16. Jhd.) gestellt. Und zwar in einer Aufnahme mit dem A-Capella-Ensemble „Singer Pur“.
Wenn ich diese einzigartige Gruppe höre, dann denke ich natürlich sofort an unser Passionskonzert im letzten Jahr in der Basilica Santa Maria del Mar. Renaissance und Moderne ist die Stärke der fünf Sänger und der Sopranistin. Glasklarer, durchsichtiger und ehrlicher Sound. Genau das trifft das Lied von Nicolai:
Wie schön leuchtet der Morgenstern,
voll Gnad und Wahrheit von dem Herrn
uns herrlich aufgegangen.
Du Sohn Davids aus Jakobs Stamm,
mein König und mein Bräutigam,
du hältst mein Herz gefangen.
Lieblich, freundlich,
schön und prächtig, groß und mächtig, reich an Gaben,
hoch und wunderbar erhaben.
Stimmt die Saiten der Kitara
und lasst die süße Musica
ganz freudenreich erschallen,
dass ich möge mit Jesus Christ,
der meines Herzens Bräutgam ist,
in steter Liebe wallen.
Singet, springet,
jubilieret, triumphieret, dankt dem Herren.
Groß ist der König der Ehren.

Adventsgedanke – Dienstag, 2. Woche

Mein Problem ist oft, dass ich die ganze Welt retten möchte. Ich meine, ich müsste eine Sache voll perfekt machen, ideal, ein für alle mal optimal lösen.
Deshalb wage ich es nicht die Sache anzupacken. Weil ich muss ja zuerst gründlich überlegen, wie ich es angehen könnte und müsste, damit das Problem eben endgültig und optimal von mir gelöst werden würde.
Und so schaffe ich es nicht, einen ersten, einen kleinen Schritt zu tun. Und so tut sich / tu ich eben gar nix.
Es fehlt das Vertrauen. Die Freude.
NUR FÜR HEUTE WERDE ICH IN DER GEWISSHEIT GLÜCKLICH SEIN, DASS ICH FÜR DAS GLÜCK GESCHAFFEN BIN …
Ist nicht alles an sich gut angelegt? Unbefleckte Empfängnis – so heißt das morgige Marienfest im Volksmund.
Unbefleckte Empfängnis – ich weiß, das ist jetzt vielleicht nicht ganz theologisch (!!) – das bedeutet für mich, dass alles zuerst einmal gut ist. „Und Gott sah, dass es gut war.“ (Genesis)
Leider wird dieses reine Glück und die Freude schnell verschüttet von einer blindmachenden Ichbezogenheit. Und schon ist das Glück und die Freude dahin.
Es bleibt mir nichts anderes übrig, als mich an den Ausgangspunkt zu erinnern und wieder einen Schritt darauf zu zu machen.
Aber genau auf diesen Schritt, auf diesen winzig kleinen ersten Schritt kommt es an. In ihm liegt das ganze Glück des Ursprungs verborgen.

Adventsgedanke – Donnerstag, 1. Woche

Heute hat mich Gott angelächelt.
In der Metro-Station „Verdaguer“, ich saß auf der Bank und wartete, war in Gedanken versunken, stierte auf den Boden, bekam nichts mit um mich herum.
Plötzlich sehe ich ein Kind vor mir stehen. Vielleicht 1 1/2 oder maximal 2 Jahre alt. Trampelt auf mich zu, streckt mir die kleinen Hände hin und lächelt mich mit einem breiten Grinsen an.
Es ist nur eine ganz leichte Berührung. Ein kurzer Moment des Lächelns. Dann tappt das Kind schon wieder weiter, zur Mutter, die in kurzer Entfernung auf es wartet.
Heute hat mich Gott angelächelt.
Ein Mensch hat mich berührt. Ein Kind. Völlig arglos. Ohne Hintergedanke. Reine Zu-neigung.
Interessiert an mir. Freundlich. Freudig.
Und es hat mich angesteckt. Ein Funke ist übergesprungen. Absichtslose Zuneigung plötzlich auch in mir.
Ich bin überzeugt: Heute hat mich Gott angelächelt.
Was so ein Lächeln, was so eine Berührung alles bewirken kann?