Adventsgedanke – Dienstag, 1. Woche

Jetzt bin ich fast 23 1/2 Jahre Priester und kann erst seit Kurzem sagen, dass ich in die „Arbeit gehe“. Bis letzten September war nämlich das Pfarrbüro im selben Haus, wie meine Wohnung. In Deutschland, in den Pfarreien, wo ich vor Barcelona war, war sowieso alles zusammen im Pfarrhaus. Ich musste also bis jetzt nie außer Haus gehen, um die alltäglichen „Büroarbeiten“ erledigen zu können.
Und ich muss zugeben: Ich genieße es, das „außer-Haus-gehen“. Nicht nur der mehrmalige Ortswechsel täglich tut mir gut. Ich freue mich vor allem auch an dem Weg, den ich zu Fuß, mit der Metro oder auf dem Fahrrad zurücklegen kann – wenn ich nicht gerade verschlafen oder in Gedanken ganz wo anders bin! Es ist faszinierend, was für eine unfassbare, so wahnsinnig vielfältige Welt um mich herum existiert. So viele Eindrücke, Bilder, Geräusche, Gerüche. Sachen, Ereignisse, Gegenstände, Bewegungen. Obwohl ich täglich meistens den selben Weg zurück lege, fällt mir immer wieder was Neues auf. Kleinigkeiten und Unscheinbares, aber auch große Auffälligkeiten, die ich bisher einfach nicht wahrgenommen habe.
Und dann die Menschen. Soviel Leben! Jeder, jede ganz eigen. Einmalig. Einzigartig. Freude, Trauer, Hektik, Ruhe, Gewalt, Hass, Friede, Interesse, Teilnahmslosigkeit… Alles um mich herum.
Ich bin fasziniert. Und dankbar.
Und ich bin überzeugt: Alles ist unaufdringlich sanft von IHM durchdrungen. SEIN GEIST ist da. ER nimmt mich schon längst wahr, schon immer.

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