Ein Ostergruß

OSTERN
 
Die glocken läuteten,
als überschlügen sie sich vor freude
über das leere grab
 
Darüber, daß einmal
etwas so tröstliches gelang
 
und daß das staunen währt
seit zweitausend jahren
 
Doch obwohl die glocken
so heftig gegen die mitternacht
hämmerten –
nichts an finsternis sprang ab
 
(Reiner Kunze)
Ganz selbstverständlich beginnt das Oster-Gedicht Reiner Kunzes, als ob es überhaupt keinen Zweifel an der Auferstehung, an dem neuen Leben geben könne. Als ob damit auch der Schmerz, das Leid, die unbeantworteten Fragen vergessen sein könnten.
So ist es aber nicht.
Das Ende des Gedichtes macht deutlich: Trotz aller Glockenbotschaft, die Finsternis bleibt. Sie wird nicht einfach aufgehoben.
Beides ist wahr: die Finsternis des Todes und die Osterbotschaft von der Auferweckung des Gekreuzigten.
Aber: Im Osterlicht hat die Finsternis ihre absolute und alles verdunkelnde Bedeutung verloren. Im Osterlicht wird die Finsternis relativiert. Im Osterlicht wird die Finsternis erträglich.
Frohe und gesegnete Ostern.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s