Le cri des bergers – Der Ruf der Hirten

Ich hab sie mir förmlich bildhaft vorstellen können. Der Ruf kam ein wenig aus der Ferne. Man konnte nicht genau festmachen, woher der Ruf kam. Der Ruf löste aber einen Hall aus. Und der war unmittelbar beim Zuhörer, bei mir. Es war, als hätte sich der Ruf direkt beim Publikum fest gefangen.
„Le cri des bergers – Der Ruf der Hirten“ hieß ein Stück, das ich in dem Konzert „Minimalisme sacre“ in der Basílica Santa María del Pi heute hören durfte. Ein Chorkonzert nur mit Kompositionen von Arvo Pärt und Bernat Vivancos. Der estnische Komponist Arvo Pärt feiert in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag und ist deshalb zu einer Konzertreihe in Barcelona. Seinen berühmten Chorstücken wurden in dem Konzert heute Werke des jungen katalanischen Komponisten Bernat Vivancos gegenüber gestellt. Vivancos war bis vor kurzem Leiter der Escolania de Montserrat, des berühmten Knabenchors auf dem Montserrat.
„Le cri des bergers – Der Ruf der Hirten“. Eine Komposition für Chor a-capella ohne Text, eine „vocalise“, wie es im Programmheft heißt.
Es war ein eindringlicher, ein bestimmer Ruf, den der „Latvian Radio Choir“ da heute anstimmte. Er war nicht zu überhören. Es war aber kein zorniger, kein aggressiver Schrei.
Der Ruf klang irgendwie vertraut, angenehm. Ich lauschte gern dem Ruf. Ich wollte dem Ruf auch folgen.
Ob Bernat Vivancos mit dieser Komposition an das Rufen des „Guten Hirten“ gedacht hat? Jedenfalls kann ich mir seinen Ruf jetzt besser vorstellen.
Der Ruf des „Guten Hirten“ ist kein Schrei, der mich zu etwas treibt. Es ist ein „Lockruf“. Ein Ruf, der anzieht, der einlädt.
Und es ist ein Ruf, der in eine Geborgenheit führt, in eine Herde, in eine Gemeinschaft, in eine Fülle, in eine Vollkommenheit.
Das Schlussstück des Konzertes war „Da pacem Domine“ von Arvo Pärt. Ein „vollkommenes“ Gebet um den Frieden. Auch diese Komposition ein eindringlicher, ein ergreifender Ruf. Und ein Ruf, der eine Ahnung vom Schalom, vom vollkommenen Frieden gibt.
„Das Werk entstand als Auftragskomposition für Jordi Savall (der als Zuhörer heute im Publikum war) für ein internationales Friedenskonzert in Barcelona am 1. Juli 2004. Pärt begann mit der Komposition zwei Tage nach den Madrider Zuganschlägen, in Erinnerung an die Opfer. Es wurde am 29. März 2005 vom Hillard Ensemble erstmals aufgenommen. In Spanien wird es jährlich zum Gedenken an die Opfer aufgeführt.“
Hier die Aufnahme mit dem Hilliard Ensemble.

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