fastengedanke

In den vergangenen Tagen war ich auf einer herrlichen Berghütte. Ohne Netz, ohne Strom, ohne Warmwasser. Dafür mit herrliche Natur, Ruhe, interessanten Büchern, ganz lieben Menschen.
Es war für mich ein idealer Einstieg in die Fastenzeit. In die Zeit der 40 Tage, in denen ich wieder etwas Abstand gewinnen möchte von mir, meinem Leben, von dem, was mich alles beschäftigt, einnimmt und nicht selten auch einengt. In die Zeit, in der ich wieder so manches für mich klären möchte, in der ich wieder neu den Weg und die Richtung finden möchte.
Am Aschermittwoch haben wir in der Hüttengemeinschaft einen einfachen aber sehr beeindruckenden Gottesdienst gefeiert. Dabei haben wir den Psalm 49 in der Übersetzung von Arnold Stadler gebetet. Dieser Psalm, vor allem auch in der kernigen und lebendigen Übertragung von Stadler, steht für mich heuer quasi als Leitmotiv über der Fastenzeit:
PSALM 49
 
Hört dies, alle ihr Völker,
ihr Menschen,
die ihr eine Zeitlang auf dieser Erde wohnt.
Alle ihr, oben und unten,
einfaches Volk oder nicht,
ich werde euch nun allen
die Wahrheit sagen.
Mag es auch schwer sein, ich will versuchen
zu singen:
 
Warum soll ich Angst haben in bösen Tagen,
wenn ich nur noch von Feinden umgeben bin?
Sie verlassen sich ganz auf ihren Besitz
und geben mit ihrem Geld an.
Doch vom Tod befreien kann keiner den anderen,
auch Gott nicht, auch gegen Geld nicht.
Für das Leben ist jeder Kaufpreis zu hoch,
darauf muß unsereiner verzichten.
Weiterleben und ums Grab herumkommen:
das geht leider nicht !
Wir sehen doch:
der Gescheiteste stirbt genauso wie der nächstbeste Idiot.
Jeder muß das, was er hat, anderen zurücklassen.
Auch jene, die ganze Länder nach ihrem Namen
benannt haben:
auch ihre Heimat ist der Friedhof.
Dem Menschen bleibt nichts von seiner Schönheit
und von seiner Anmut,
von seinem Glanz und von seiner Herrlichkeit.
Er ist wie das Vieh und verstummt.
So geht es allen, die auf sich selbst bauen.
und so endet der, der sich in großen Worten
gefallen hat.
 
Sela !
Der Tod wird sie auf sein Feld führen,
die Schafe,
hinab in die Grube !
Auseinanderfallen werden sie.
Da unten werden sie bleiben.
 
Doch der Herr wird mich ! vor dem Reich
des Todes bewahren.
Ja !
Er wird mich zu sich nehmen !
Sela !
 
Laß dich nicht abbringen
von deinem Weg,
wenn du mitansiehst, wie einer reich wird
und glänzt und prahlt.
Denn – unterwegs zum Tod –
nimmt er von allem nichts mit.
Sein Glanz wird nicht bis nach unten reichen.
Mag er sich auch glücklich gepriesen haben
im Leben, muß er doch zu denen hinab,
die das Licht nicht mehr erblicken.
Der Mensch, der gedankenlos glänzt,
er ist wie das Vieh, das verstummt.

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