#ROM2

Gestern hab ich eine super interessante und spritzige Internetseite entdeckt: www.frommbeeren.ch. Ich kenne wenige so eine ansprechende und faszinierende Seiten im Netz. Sr. Veronika, eine jung Schweizer Klosterschwester, bloggt auf dieser Seite nahezu fast täglich über Gott und die Welt.
Unter dem 25. Februar hat sie die Gedanken niedergeschrieben, die ihr kürzlich bei einer Papstaudienz auf dem Petersplatz in Rom kamen.

Ich trat auf den Petersplatz. Durch die Menschenmenge ging eine Bewegung und ich schaute genauer hin. Papst Franziskus fuhr mit seinem Papamobil an den Menschen vorbei, grüsste sie, umarmte sie oder sprach mit ihnen ein kurzes Wort. Ich blieb stehen und vergass alles um mich herum. Zum ersten Mal sah ich diesen Menschen live. Ich hätte eilend hinlaufen können, um vielleicht einen Moment lang seine Hand zu erhaschen. Ich hätte wie alle anderen mein Smartphone in die Höhe strecken können, um ein Foto von ihm zu machen, das ich nachher allen zu Hause hätte zeigen können. Aber es war mir irgendwie nicht wichtig, denn mich verband in diesem Moment etwas ganz anderes mit diesem Menschen. Mir kamen fast die Tränen. Dieser weisse Punkt inmitten der bunten Menge, der sich gerade um ganz viele andere Menschen kümmert, das war der Mensch, der mir so aus dem Herzen spricht. Da war dieser Mann, der in Worte fassen kann und ausspricht, was ich schon lange denke. Hätte ich eine Privataudienz bei ihm, ich glaube, ich würde gar nicht viel mit ihm reden wollen, weil es mir viel wichtiger wäre, zusammen mit ihm zu beten. Das tue ich jeden Tag nach dem Rosenkranz: Ich bete drei kurze Gebete in der Gebetsmeinung des Papstes. An diesem Tag aber war es besonders schön, auf dem Petersplatz zusammen mit all den Menschen und dem Papst das Vaterunser zu beten.

Wissen Sie, mich interessiert die imposante, fast schon pompöse Architektur des Vatikans nicht sonderlich. Sicher hat sie ihre (kunst-)historische Bedeutung und die will ich auch nicht schmälern. Aber es ist mir einfach nicht so wichtig. Ich schaute in diesem Moment auf etwas, das mir viel wichtiger war: die Verbundenheit mit diesem Mann mit der weichen Stimme, der diese grosse Familie der Glaubenden zusammen hält – in einer enormen Liebe, die weit über die Grenzen der Kirche hinaus reicht.
Was soll ich sagen? Ich bete diesen Menschen nicht an, denn er ist nur ein Mensch. Aber ich bin froh, dass es ihn gibt. Dass mich seine Worte und sein Stil stärken. Dass wir im Geist Seite an Seite arbeiten. Er geht seinen Weg, ich meinen und wahrscheinlich werden sie sich nie wirklich kreuzen. Aber die gemeinsame Quelle, aus der wir trinken, das ist das, was uns so stark verbindet. Das ist das eigentlich Wesentliche am Ganzen.

Und was ist nun diese Quelle? Dieses Wesentliche?

Heilige Walburga

Als „Eichstätter“ darf ich es natürlich nicht vergessen unserer Diözesanpatronin, der heiligen Walburga, an ihrem Festtag ein Gedenken zu widmen. In „MAGNIFICAT – Das Stundenbuch“ erfahren wir über sie:
Walburga (um 710-779) ist eine besonders volkstümliche Heilige. Ihre Eltern, das angelsächsische Königspaar Richard von Wessex und Wunna, ihre Brüder Willibald und Wunibald und ihr Onkel Bonifatius werden ebenfalls als Heilige verehrt. Sie soll im Kloster Wimborne erzogen worden sein. 750 folgte Walburga dem Ruf des Bonifatius als Glaubensbotin nach Deutschland. Zunächst lebte sie als Nonne im Benediktinerkloster Tauberbischofsheim. 761 übernahm sie nach dem Tode ihres Bruders Wunibald die Leitung des von ihm gegründeten Doppelklosters in Heidenheim. Ihre Glaubenskraft und mütterliche Ausstrahlung trugen viel zur Gewinnung der heidnischen Bevölkerung bei. So wurde diese klösterliche Gemeinschaft bald zu einem Mittelpunkt der christlichen Mission, einer Stätte der Bildung und der sorge für die Menschen.
Was der Artikel leider nicht erwähnt:
Ein Jahrhundert nach dem Tod der Heiligen (ca. 870/879) werden ihre Gebeine von Heidenheim nach Eichstätt überführt. Eine Legende berichtet, dass die Esel, die den Wagen mit den Gebeinen der heiligen Walburga zogen, in Eichstätt plötzlich stehenblieben und nicht mehr weiter wollten. Das deutete man als den Willen der Heiligen, dort, nur einen Steinwurf weit von ihrem Bruder Willibald, der im Dom als erster Bischof von Eichstätt bestattet war, ihre letzte Ruhestätte zu finden. Ähnliche Gründungslegenden gibt es ja an unterschiedlichen Wallfahrtsorten, zum Beispiel auch in Montserrat.
Ungefähr 20 Jahre später gab der Bischof von Eichstätt eine Reliquie von Walburga an die Benediktinerinnenabtei Mohnheim. Später entwickelte sich diese fränkische Stadt zu einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte des Mittelalters. Von hier aus verbreitete sich schließlich die Verehrung der heiligen Walburga über den gesamten deutschen Sprachraum und das östliche Frankreich. Auch Karl der Große soll zu ihr nach Mohnheim gepilgert sein.
Bis heute bekannt ist auch die sogenannte Walpurgisnacht. Der Gedenktag der heiligen Walburga wurde früher am 1. Mai gefeiert. Die Walpurgisnacht war also die Vigilfeier des Heiligenfestes. Und gleichzeitig war es der „Tanz in den Mai“, mit dem die Winterhexen endgültig vertrieben wurden. Goethe hat die Walpurgisnacht in seinem Faust bekannt und populär gemacht.
Und auch der Eichstätter Dichter Friedrich Dörr hat der heiligen Walburga unter anderem folgenden Hymnus gewidmet:
Die Kirche bricht in Jubel aus,
des Himmels Chöre stimmen ein,
wenn freudig wir das Fest begehn
der Jungfrau, die aus England kam.
 
Ihr Herz, noch edler als ihr Blut,
entsagt den Freuden dieser Welt
und wählt mit klarem Blick den Weg,
der sie in Gottes Nähe führt.
 
Vom Himmel fällt ein Licht auf sie
und macht ihr ganzes Wesen hell,
und Glut, vom Heil’gen Geist entfacht,
entflammt ihr Herz und ihr Gemüt.
 
Dich, Herr voll Güte, bitten wir,
gewähre, was sie uns erfleht:
Erlaß uns gnädig unsre Schuld
und wend uns deine Liebe zu.
 
Dir hat Wlburga sich geweiht,
du Welterlöser Jesus Christ:
dich, Herr und Heiland, preisen wir
mit Gott dem Vater und dem Geist. Amen.

Sozusagen grundlos vergnügt

Die Fastenaktion der evangelischen Kirche 2015 „7 Wochen ohne“ heißt heuer „DU BIST SCHÖN! Sieben Wochen ohne Runtermachen“. Ein sehr schönes Thema, finde ich.
Es ist gut und notwendig, dass wir uns daran erinnern, dass wir, ich, Du, alle, zunächst einmal wirklich gut und schön sind. Dass wir deshalb einander, mich und jeden andern, nicht nur respektiere, sondern auch wertschätzen. Und deshalb werde ich auch niemanden „runtermachen“.
Schade, dass wir so oft vergleichen. Dass wir so oft meinen, einander – und auch mich selber – kleinmachen zu müssen.
Auf dem heutigen Kalenderblatt der 7-Wochen-ohne-Aktion steht unter der Überschrift „Du bist wunderbar gemacht!“ ein wunderbarer Text der Schriftstellerin Mascha Kaléko:
Sozusagen grundlos vergnügt
 
Ich freu mich, daß am Himmel Wolken ziehen
Und daß es regnet, hagelt, friert und schneit.
Ich freu mich auch zur grünen Jahreszeit,
Wenn Heckenrosen und Holunder blühen.
– Daß Amseln flöten und daß Immen summen,
Daß Mücken stechen und daß Brummer brummen.
Daß rote Luftballons ins Blaue steigen.
Daß Spatzen schwatzen. Und daß Fische schweigen.
 
Ich freu mich, daß der Mond am Himmel steht
Und daß die Sonne täglich neu aufgeht.
Daß Herbst dem Sommer folgt und Lenz dem Winter,
Gefällt mir wohl. Da steckt ein Sinn dahinter,
Wenn auch die Neunmalklugen ihn nicht sehn.
Man kann nicht alles mit dem Kopf verstehn!
Ich freue mich. Das ist des Lebens Sinn.
Ich freue mich vor allem, daß ich bin.
 
In mir ist alles aufgeräumt und heiter:
Die Diele blitzt. Das Feuer ist geschürt.
An solchem Tag erklettert man die Leiter,
Die von der Erde in den Himmel führt.
 
Da kann der Mensch, wie es ihm vorgeschrieben,
– Weil er sich selber liebt – den Nächsten lieben.
Ich freue mich, daß ich mich an das Schöne
Und an das Wunder niemals ganz gewöhne.
Daß alles so erstaunlich bleibt, und neu!
Ich freue mich, daß … Daß ich mich freu.

… trieb der Geist Jesus in die Wüste.

„In jener Zeit trieb der Geist Jesus in die Wüste.“ sagt heute der erste Satz des Evangeliums.
Gottes Geist ist es also, der Jesus in die 40-tägige Fastenzeit führt. Niemand geringerer als Gott höchstpersönlich ist es, der ihn dahin „treibt“.
Dieser Satz ist mir heute besonders aufgefallen.
Ich bin froh, dass Gott uns führt, und sogar treibt. Dass er uns anstößt und anschiebt. Dass dieses „Projekt Fastenzeit“ nicht nur auf unseren schwachen Willen angewiesen ist.
Wir selber kämen wahrscheinlich nie auf die Idee, uns für 40 Tage eine Auszeit zu gönnen. Eine Zeit des Klärens, der Neuorientierung, der intensiven Gottsuche und Selbstvergewisserung.
Scheinbar ohne Mitleid mit uns – und mit seinem eigenen Sohn Jesus – setzt uns Gott den Versuchungen aus. „Dort blieb Jesus vierzig Tage lang und wurde vom Satan in Versuchung geführt.“
Aber es sind nicht nur die Versuchungen, die Jesus in der Wüste beschäftigen. Genauso intensiv darf er auch den unmittelbaren Beistand Gottes erfahren: „Er lebte bei den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm.“
Die Fastenzeit ist also zu allererst ein Gottesgeschenk an mich. Eine Zeit der Gnade und Bereicherung.
Aber auch kein Honiglecken.
Wer sich auf die wilden Tiere der Wüste einlässt, den werden die Engel Gottes dienen und reich beschenken.

fastengedanke

In den vergangenen Tagen war ich auf einer herrlichen Berghütte. Ohne Netz, ohne Strom, ohne Warmwasser. Dafür mit herrliche Natur, Ruhe, interessanten Büchern, ganz lieben Menschen.
Es war für mich ein idealer Einstieg in die Fastenzeit. In die Zeit der 40 Tage, in denen ich wieder etwas Abstand gewinnen möchte von mir, meinem Leben, von dem, was mich alles beschäftigt, einnimmt und nicht selten auch einengt. In die Zeit, in der ich wieder so manches für mich klären möchte, in der ich wieder neu den Weg und die Richtung finden möchte.
Am Aschermittwoch haben wir in der Hüttengemeinschaft einen einfachen aber sehr beeindruckenden Gottesdienst gefeiert. Dabei haben wir den Psalm 49 in der Übersetzung von Arnold Stadler gebetet. Dieser Psalm, vor allem auch in der kernigen und lebendigen Übertragung von Stadler, steht für mich heuer quasi als Leitmotiv über der Fastenzeit:
PSALM 49
 
Hört dies, alle ihr Völker,
ihr Menschen,
die ihr eine Zeitlang auf dieser Erde wohnt.
Alle ihr, oben und unten,
einfaches Volk oder nicht,
ich werde euch nun allen
die Wahrheit sagen.
Mag es auch schwer sein, ich will versuchen
zu singen:
 
Warum soll ich Angst haben in bösen Tagen,
wenn ich nur noch von Feinden umgeben bin?
Sie verlassen sich ganz auf ihren Besitz
und geben mit ihrem Geld an.
Doch vom Tod befreien kann keiner den anderen,
auch Gott nicht, auch gegen Geld nicht.
Für das Leben ist jeder Kaufpreis zu hoch,
darauf muß unsereiner verzichten.
Weiterleben und ums Grab herumkommen:
das geht leider nicht !
Wir sehen doch:
der Gescheiteste stirbt genauso wie der nächstbeste Idiot.
Jeder muß das, was er hat, anderen zurücklassen.
Auch jene, die ganze Länder nach ihrem Namen
benannt haben:
auch ihre Heimat ist der Friedhof.
Dem Menschen bleibt nichts von seiner Schönheit
und von seiner Anmut,
von seinem Glanz und von seiner Herrlichkeit.
Er ist wie das Vieh und verstummt.
So geht es allen, die auf sich selbst bauen.
und so endet der, der sich in großen Worten
gefallen hat.
 
Sela !
Der Tod wird sie auf sein Feld führen,
die Schafe,
hinab in die Grube !
Auseinanderfallen werden sie.
Da unten werden sie bleiben.
 
Doch der Herr wird mich ! vor dem Reich
des Todes bewahren.
Ja !
Er wird mich zu sich nehmen !
Sela !
 
Laß dich nicht abbringen
von deinem Weg,
wenn du mitansiehst, wie einer reich wird
und glänzt und prahlt.
Denn – unterwegs zum Tod –
nimmt er von allem nichts mit.
Sein Glanz wird nicht bis nach unten reichen.
Mag er sich auch glücklich gepriesen haben
im Leben, muß er doch zu denen hinab,
die das Licht nicht mehr erblicken.
Der Mensch, der gedankenlos glänzt,
er ist wie das Vieh, das verstummt.