Comfort Ye My People – Tröstet mein Volk

Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott.
Redet Jerusalem zu Herzen und verkündet der Stadt,
dass ihr Frondienst zu Ende geht,
dass ihre Schuld beglichen ist;
denn sie hat die volle Strafe erlitten von der Hand des Herrn für all ihre Sünden.

Immer wenn ich diese ersten Sätzen der ersten Lesung des 2. Adventssonntag (Jes 40,1-5.9-11), höre, klingt gleichzeitig die entsprechende Arie aus Händels Messias in meinem Ohr: Comfort Ye My People.

Anders wie Bach in seinen diversen Oratorien und Passionen, beginnt Händel sein grandioses Musikwerk über den Messias, über den Erlöser nicht mit einem programmatischen Eröffnungschor. Händel stellt das Thema seines Oratoriums nicht mit einem gewaltigen Hymnus vor, bei dem er gleich zu Beginn alle möglichen Register des ihm zur Verfügung stehenden musikalischen Klangkörpers zieht. Händel stellt an den Anfang seines Oratoriums eine einfache, eine sanfte und zarte Tenor-Arie. Nach der Ouvertüre, der Sinfonie, stellt Händel in seinem Oratorium über Jesus Christus die einfachen Sätze aus Jesaja 40,1-3: Tröstet, tröstet mein Volk. Das sind die ersten Worte in diesem Musikwerk.
Kein gewaltiger Chor singt diese tröstende Zusage. Ein lyrischer Tenor versichert es dem Hörer, mit beruhigender Stimme: Dein Stress ist zu Ende! Du kannst runter kommen. Beruhige dich! Lass dir sagen: Alles, was dich bis jetzt aus deiner Bahn geworfen hat, will dir genommen werden.
Trösten. Das ist es, was unser Gott will. Warum er Mensch geworden ist.
Trösten. Den Menschen, mir meine Angst nehmen. Die Angst, zu kurz zu kommen. Die Angst, leer auszugehen. Den Erwartungen nicht zu entsprechen.
Wie beruhigend ist es da zu hören – durch die Musik Händels – wie tröstend die Botschaft unseres Gottes ist!
Das ist die Überschrift des „Messias“.
Und trotzdem:
Gott drängt uns nichts auf. Er stülpt uns sein Heil nicht über. Ohne unser Zutun, ohne unsere Mitarbeit will und kann Gott uns nicht trösten.
Deshalb: Bereitet dem Herrn den Weg! Diese Aufforderung (Jes 40.3), schließt unmittelbar an die tröstenden ersten beiden Verse des Propheten an. Und sie aus auch noch Teil der ersten Arie in Händels Messias.
Ich selber kann mir den Trost, den ich nötig haben, bewirken. Ich muss den Trost Gottes nur zulassen. Ich muss mich öffnen, in den Trost Gottes einstimmen. Mich wiegen lassen von der beruhigenden Musik Gottes.
Hier eine gute Aufnahme der Arie.

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