Fastengedanke zum Mittwoch der Karwoche

Vor dem Namen Jesu sollen alle Mächte
im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen;
denn der Herr erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod,
bis zum Tod am Kreuz.
Deshalb ist Jesus Christus der Herr
in der Herrlichkeit Gottes, des Vaters.
 
Der Eröffnungsvers der heutigen Liturgie zitiert den Christus-Hymnus aus dem Philipper-Brief. Ein kurzer Text, besser gesagt ein Gedicht oder ein Lied – ein Hymnus eben – der das ganze „Konzept Gottes“ auf den Punkt bringt:
Gott der Allmächtige, der ganz andere, steigt vom oben, vom Himmel herab und macht sich uns in allem ganz und gar gleich. Er erniedrigt sich bis zum äußersten Punkt, bis dorthin, wo es nicht mehr niedriger geht.
Aber genau mit dieser „Erniedrigung“  wird Jesus zum Christus „erhöht“. Das ist die „Größe“ Gottes, dass er sich so klein macht, wie wir Menschen klein sind.
Und nicht genug damit, dass er sich erniedrigt, um uns ganz gleich zu sein. Damit „erhöht“ er auch uns. Damit macht er uns Menschen Gott gleich.
Das ist das Geheimnis des Kreuzes: Es verbindet Himmel und Erde, Gott und Menschen. Es holt Gott herunter auf die Erde und es erhebt uns in den Himmel.
 
Dieser Christus-Hymnus aus dem Philipper-Brief ruft bei mir immer unverzüglich Erinnerung an die Rockoper „Jesus Christ Superstar“ wach. Im Jahr 2000 konnte ich das Werk von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice mit der fantastischen Soulband „Captain’s Bog“ und dem Schelldorfer Jugendchor in einer konzertanten Fassung 10 mal spielen. Wir haben es ganz bewusst als Oratorium gespielt und nicht als Musical inszeniert, um die theologische Tiefe des Stückes nicht zu gefährden. Und der Christus-Hymnus bildete für jede Aufführung den Rahmen: Während der Ouvertüre projizierten wir den Text des ersten Teils des Christus-Hymnus an die Wand, bei dem Epilog dann den zweiten Teil.
 
Er war Gott gleich,
hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein,
sondern er entäußerte sich
und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich.
Sein Leben war das eines Menschen;
er erniedrigte sich
und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.
 
Dann spielten, sangen und zeigten wir die Passion Christi mit der unübertrefflichen Soul-Musik von Andrew Lloyd Webber. Bis zum Tod Jesu am Kreuz.
Dann konnten die Zuschauer bei den fast klassischen Klängen des Epilog lesen:
 
Darum hat ihn Gott über alle erhöht
und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen,
damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde
ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu
und jeder Mund bekennt:
«Jesus Christus ist der Herr» – zur Ehre Gottes, des Vaters.
(Phil 2,6-11)
 
Damit, finde ich, kamen wir zu der Aussage über die Passion Jesu Christi, um die es auch den Evangelisten Johannes ging und auf die auch Johann Sebastian Bach mit seiner Johannes-Passion hinaus wollte. „Jesus Christus ist der Herr“. Das ist die letzte und tiefste Botschaft des Leidens und Sterbens Jesu. Mit seinem Tod hat er den Tod besiegt. Deshalb ist er letztlich der Herr und Herrscher.
 
Hier das Stück „I only want to say (Gethsemane)“ aus der Verfilmung von Norman Jewison (1973). Es ist der zentrale song. Jesus auf dem tiefsten Punkt, verzweifelt, voller panischer Angst.
 
Und hier die musikalisch beste Version, mit Ian Gillan von Deep Purple, aus der Originalaufnahme von 1970.

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