Fastengedanke zum Montag der 5. Fastenwoche

Neben der faszinierenden Stille und Ruhe sind mir in den Tagen im Kloster Poblet vor allem die herrlichen Brunnen aufgefallen. Im Zentrum des Klosters, mitten im Kreuzgang steht ein großartiges Brunnenhäuschen.
Auch zu den Quellen und zum Wasser möchte ich heute deshalb einen Text von Josep Pla zitieren:

 
Die Stille von Poblet bewegt das Gemüt des Menschen, ruft ein Gefühl der Einsamkeit hervor und legt den Gedanken nahe, wie schön es sei, hier Mönch zu sein. Es ist wunderbar, in der Stille zu hören, wie das Wasser emporsprudelt und herabfällt.
Man sagt, ein geistlicher Orden wählt für die Gründung eines Klosters immer einen Ort, wo er Wasser gefunden hat. So befindet sich in dem Kreuzgang von Poblet, der in jeder Hinsicht vollkommen ist, ein Brunnenhaus mit einem Brunnen, der seit Jahrhunderten fließt. Wie wichtig dieses Wasser für das Kloster ist, war den Mönchen seit eh und je bewusst.
Nach meinem bescheidenen Verständnis birgt das Süßwasser viel mehr Schönheit in sich als das Salzwasser des Meeres, selbst wenn das Meer unbeweglich in weißer Stille daliegt. Oft scheint das Süßwasser einen anzuschauen wie aus riesigen blauen Augen, die sich öffnen und schließen. Das Fallen des Wassers erzeugt eine Musik, immer wieder anders, von der sich die Stille des Augenblicks abhebt. Das Wasser kann man anschauen, oder man kann ihm lauschen. Vielleicht ist es die vielseitigste, märchenhafteste Flüssigkeit der Welt, in der wir leben. Jedem, der ein Gramm gesunden Menschenverstand besitzt, flößt das Wasser Ehrfurcht ein. Schon in einem Fragment, das von einem bekannten Präsokratiker – vielleicht aus Milet – hinterlassen wurde, ist von ihm die Rede. Das Wasser kann man in den Quellen und Brunnen hören.
 
(aus: Josep Pla, Grundlegender und volkstümlicher führer des Klosters Poblet, Tarragona 1988, 2. Auflage)
 
Josep Pla zitiert in seiner Betrachtung über das Wasser in Poblet auch Rafael Puget, der schreibt:
 
Wenn du die Augen schließest und auf den Brunnen des Kreuzgangs lauschest, so ist das Plätschern dasselbe wie vor Jahrhunderten. Das Weinen und Seufzen, das Singen und Lachen von gestern in den Zeiten der Brüder, sie fließen im sprudelnden Wasserschwall. Alles hat sich gewandelt, jedoch nicht das Tröpfeln der Moose und die Silberfäden; sie sind die empfindsame Seele des Klosters Poblet.
 

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