Kurzmitteilung
Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein.
Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte;
es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. (Joh 20, 6-7)

Könnte es sein, dass Auferstehung nicht immer die lauten Töne bevorzugt? 
Könnte es sein, dass Auferstehung ganz leise beginnt, leicht zu überhören in unserem lauten und hastigen Alltag? 
Könnte es sein, dass der Auferstandene gerade Wert auf die Details legt, auf ein sauber zusammengefaltetes Tuch? 
Könnte es sein, dass Erlösung darin besteht, den Menschen keine zusätzlichen Lasten aufzubürden, auch wenn es nur etwas ganz Alltägliches ist?

Wie oft müssen wir anderen hinterherräumen und regen uns darüber auf! 
Wie oft entbrennt heftiger Streit über die Spüle, die überläuft, über den Socken, der achtlos hingeworfen wird, über das schmutzige Kaffeegeschirr, das noch von der letzten Sitzung im Tagungsraum geblieben ist? 

Auferstehung bedeutet Achtsamkeit für die leisen Töne, für die kleinen Dinge des Alltags, die anderen das Leben leichter machen. 

Auferstehung kann heißen, Ordnung zu schaffen im eigenen Leben, mal wieder aufräumen, und die Befreiung zu spüren, die ein ordentlich zusammengefaltetes Tuch bieten kann. Hier sind keine Einbrecher und Grabschänder am Werk, hier weht der zarte Windhauch des göttlichen Geistes. 

Und wenn das äußere und innere Chaos beseitigt ist, dann kann ich IHN vielleicht wieder sehen, der auf mich zukommt und mich beim Namen ruft und mir aufträgt, von dem zu erzählen, was mir widerfahren ist: Der Herr ist auferstanden. Ja, er ist wirklich erstanden. AMEN. HALLELUJA.

P. Maurus Runge OSB

 
Mit diesen Gedanken von P. Maurus (Kloster Königsmünster) wünschen wir allen
ein frohes und gesegnetes Osterfest.
Die Erfahrung des Auferstandenen im Alltag des Lebens,
in den Augenblicken der Dunkelheit, der Orientierungslosigkeit, der Einsamkeit und Hilflosigkeit.
 
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Fastengedanke zum Karfreitag

Fürwahr, er trug unsre Krankheit;
fürwahr, er trug unsre Schmerzen.
Geschlagen für unsre Sünden,
mißhandelt für unsre Schuld
Verleugnet, verspottet, mit Dornen gekrönt,
ein Lamm auf der Schlachtbank:
der liebende Gott, der liebende Gott.
 
Fürwahr, er trug unsre Krankheit,
fürwahr, er trug unsre Schmerzen.
Geschlagen, doch ohne Sünde,
mißhandelt, doch ohne Schuld.
Verraten, verlassen, verurteilt, durchbohrt,
ein Lamm auf der Schlachtbank:
gekreuzigter Gott, gekreuzigter Gott.
 
Fürwahr, er trug unsre Krankheit,
fürwahr, er trug unsre Schmerzen.
Genesen durch seine Wunden,
sind wir unversehrt und heil.
Er steht auf zur Seite der Armen, der Kleinen,
vertraut mit der Ohnmacht,
der liebende Gott, der liebende Gott.
 
(Eugen Eckert 1987, nach Jes 52,13-53,12,
Strube Verlag, München, GL 292)

Fastengedanke zum Gründonnerstag

Mit dem Gründonnerstag beginnen die heiligen drei Tage.
In Wirklichkeit ist es eigentlich wie ein einziger Tag. Wir begehen das Geheimnis der Erhöhung Jesu, sein Hinübergehen aus dieser Welt zum Vater.
Das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern, der Tod am Kreuz und die Auferstehung am dritten Tag, in diesen drei Tagen und in den dazugehörigen liturgischen Feiern entfaltet sich die eine unfassbare Wahrheit:
Gott hat die Menschen geliebt, und er liebt sie, auch wenn sie es nicht wissen und gar nicht wollen.
Gott rettet die Menschen durch die Hingabe seines menschgewordenen Sohnes.

Fastengedanke zum Mittwoch der Karwoche

Vor dem Namen Jesu sollen alle Mächte
im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen;
denn der Herr erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod,
bis zum Tod am Kreuz.
Deshalb ist Jesus Christus der Herr
in der Herrlichkeit Gottes, des Vaters.
 
Der Eröffnungsvers der heutigen Liturgie zitiert den Christus-Hymnus aus dem Philipper-Brief. Ein kurzer Text, besser gesagt ein Gedicht oder ein Lied – ein Hymnus eben – der das ganze „Konzept Gottes“ auf den Punkt bringt:
Gott der Allmächtige, der ganz andere, steigt vom oben, vom Himmel herab und macht sich uns in allem ganz und gar gleich. Er erniedrigt sich bis zum äußersten Punkt, bis dorthin, wo es nicht mehr niedriger geht.
Aber genau mit dieser „Erniedrigung“  wird Jesus zum Christus „erhöht“. Das ist die „Größe“ Gottes, dass er sich so klein macht, wie wir Menschen klein sind.
Und nicht genug damit, dass er sich erniedrigt, um uns ganz gleich zu sein. Damit „erhöht“ er auch uns. Damit macht er uns Menschen Gott gleich.
Das ist das Geheimnis des Kreuzes: Es verbindet Himmel und Erde, Gott und Menschen. Es holt Gott herunter auf die Erde und es erhebt uns in den Himmel.
 
Dieser Christus-Hymnus aus dem Philipper-Brief ruft bei mir immer unverzüglich Erinnerung an die Rockoper „Jesus Christ Superstar“ wach. Im Jahr 2000 konnte ich das Werk von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice mit der fantastischen Soulband „Captain’s Bog“ und dem Schelldorfer Jugendchor in einer konzertanten Fassung 10 mal spielen. Wir haben es ganz bewusst als Oratorium gespielt und nicht als Musical inszeniert, um die theologische Tiefe des Stückes nicht zu gefährden. Und der Christus-Hymnus bildete für jede Aufführung den Rahmen: Während der Ouvertüre projizierten wir den Text des ersten Teils des Christus-Hymnus an die Wand, bei dem Epilog dann den zweiten Teil.
 
Er war Gott gleich,
hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein,
sondern er entäußerte sich
und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich.
Sein Leben war das eines Menschen;
er erniedrigte sich
und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.
 
Dann spielten, sangen und zeigten wir die Passion Christi mit der unübertrefflichen Soul-Musik von Andrew Lloyd Webber. Bis zum Tod Jesu am Kreuz.
Dann konnten die Zuschauer bei den fast klassischen Klängen des Epilog lesen:
 
Darum hat ihn Gott über alle erhöht
und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen,
damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde
ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu
und jeder Mund bekennt:
«Jesus Christus ist der Herr» – zur Ehre Gottes, des Vaters.
(Phil 2,6-11)
 
Damit, finde ich, kamen wir zu der Aussage über die Passion Jesu Christi, um die es auch den Evangelisten Johannes ging und auf die auch Johann Sebastian Bach mit seiner Johannes-Passion hinaus wollte. „Jesus Christus ist der Herr“. Das ist die letzte und tiefste Botschaft des Leidens und Sterbens Jesu. Mit seinem Tod hat er den Tod besiegt. Deshalb ist er letztlich der Herr und Herrscher.
 
Hier das Stück „I only want to say (Gethsemane)“ aus der Verfilmung von Norman Jewison (1973). Es ist der zentrale song. Jesus auf dem tiefsten Punkt, verzweifelt, voller panischer Angst.
 
Und hier die musikalisch beste Version, mit Ian Gillan von Deep Purple, aus der Originalaufnahme von 1970.

Fastengedanke zum Dienstag der Karwache

Die Benediktinerin Kyrilla Spiecker schreibt einmal:
„Wer einem Gekreuzigten nachgeht, kann nicht auf Erfolg warten – aber auf Ostern.“
 
Ich frage mich: Was suche ich eigentlich?
Ist es nicht im Grunde meistens der eigene „Erfolg“, das Ansehen, das Lob, die Anerkennung?
 
Was bedeutet Ostern für mich?
Bin ich denn wirklich offen für ganz neues, ganz anderes, unerwartetes Leben?
Nicht das, was ich mir einbilde, erhoffen und sehnlichst wünsche.
Bin ich denn eigentlich bereit, jemand anderen wirken zu lassen?
 
Denn das ist doch Ostern: Ganz anderes und neues Leben.
Nicht nur die Fortsetzung und Erfüllung meiner Wünsche und Träume.

Fastengedanke zum Montag der Karwoche

Gut, dass der Palmsonntag am Anfang der Karwoche steht. Begeisterung, Hoffnung, Elan.
Mit dem Schwung dieser Begeisterung lässt sich das Kommende leichter ertragen.
Die Kinder unser Gemeinde – und auch wir Erwachsene – waren heute wirklich begeistert. Es ist einfach herrlich, mit Menschen, die begeistert im Glauben sind, Gottesdienst zu feiern.
Aber es geht weiter. Nach der Begeisterung kommt der Kreuzweg. Ein Weg in den Tod.
Wir dürfen uns bei dem Weg aber an das erinnern, was uns einmal begeistert hat.
Und das wird uns nicht nur helfen den „Kreuzweg“ zu gehen. Es wird uns auch helfen das Leben wirklich zu finden.
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Fastengedanke zum Samstag der 5. Fastenwoche

„Noch eine Woche, die Heilige Woche, dann stehen wir beim Osterfest … Es wäre gut, sich selbst zu fragen, was aus diesen fünf Wochen geworden ist, ob unser Beten, Fasten und Teilen wirklich ein konkreter Fortschritt war und uns für Gott, für die Mitmenschen und für uns selbst geöffnet hat.“
(Jean Pohlen, belgischer Pfarrer, *1949)
 
Vielleicht ist es jetzt, am Ende der Fastenzeit, vor der großen Semana Santa, Karwoche, an der Zeit auch mal selbstkritisch zu fragen:
 
Was habe ich von dem verwirklicht, das ich mir zum Beginn der Fastenzeit vorgenommen habe?
Mit wlchen Schwierigkeiten hatte ich zu kämpfen? Kann ich positive Entwicklungen erkennen?

Fastengedanke zum Freitag der 5. Fastenwoche

Tod und Vergehen waltet in allem,
steht über Menschen, Pflanzen und Tieren,
Sternbild und Zeit.
 
Du hast ins Leben alles gerufen.
Herr, deine Schöpfung neigt sich zum Tode:
Hole sie heim.
 
Schenke im Ende auch die Vollendung.
Nicht in die Leere falle die Vielfalt
irdischen Seins.
 
Herr, deine Pläne bleiben uns dunkel.
Doch singen Lob wir dir, dem dreieinen,
ewigen Gott.
 
P. Polykarp Ühlein OSB, 1978
 
In allem, was uns begegnet, müssen wir Tod und Vergehen feststellen. Jeden Tag neu. Es gehört zum Leben und Sein.
Unsere Überzeugung ist aber, dass das Leben nicht aus dem Zufall kommt, sondern ins Sein gerufen wurde, von ihm.
Und so, wie es aus ihm kommt, so soll es auch zu ihm zurück kehren.
Aber nicht nur zurück kehren, sondern auch vollendet werden. Es soll also überhöht werden.
Und da Tod und Vergehen ständig geschieht – nicht nur einmal ganz am Ende – kann also Auferstehung, neues Leben auch ständig sich ereignen – nicht nur einmal ganz am Ende.
Es ist schwer, dieses Prinzip zu begreifen, dass aus dem Tod neues / mehr Leben erwachsen soll.
Aber auch wenn wir es nicht begreifen, versuchen wir es immer mehr zu glauben. Deshalb „singen Lob wir dir, dem dreieinen, ewigen Gott.“

Fastengedanke zum Mittwoch der 5. Fastenwoche

Ein Abendhymnus der vor zwei Jahren verstorbenen Klosterschwester und geistlichen Dichterin Silja Walter:
 
Herr, unser Gott, du bist das Licht.
Die Nacht kommt gegangen,
wir haben Verlangen
nach deinem Gesicht,
heiliger, herrlicher Gott.
 
Herr, unser Gott, du bist die Ruh.
Was immer wir tragen
in einsamen Tagen,
das trägt uns dir zu,
heiliger, herrlicher Gott.
 
Herr, unser Gott, laß uns herein,
zu ruhn und zu singen,
im Schutz deiner Schwingen,
wir alle sind dein,
heiliger, herrlicher Gott.

Fastengedanke zum Dienstag der 5. Fastenwoche

Ich komme gerade von dem Konzert mit Singer Pur. Ich freue mich, dass wir es geschafft haben, dieses einzigartige Vokalensemble nach Barcelona zu holen.
Faszinierend, wie die Gruppe schaffte, Passionsmusik aus der Renaissance mit zeitgenössischen modernen Kompositionen zu verbinden.
Leider findet man von ihnen nur recht wenig auf youtube. Vor allem nichts von dem Programm, das sie heute bei uns gesungen haben.
 
Dafür eine Aufnahme des wunderbaren Abendliedes „In stiller Nacht“ von Brahms (Das Bild ist allerdings furchtbar schlecht.):
In stiller Nacht, zur ersten Wacht,
ein Stimm' begunnt zu klagen,
der nächt'ge Wind hat süß und lind
zu mir den Klang getragen.
Von herben Leid und Traurigkeit
ist mir das Herz zerflossen,
die Blümelein, mit Tränen rein
hab' ich sie all' begossen.

Der schöne Mond will untergahn,
für Leid nicht mehr mag scheinen,
die Sterne lan ihr Glitzen stahn,
mit mir sie wollen weinen.
Kein Vogelsang noch Freudenklang
man höret in den Lüften,
die wilden Tier' trauern auch mit mir
in Steinen und in Klüften.
Oder bei der 2. Verleihung des ECHO:
„Der Mond ist aufgegangen“ (Das Lied beginnt bei ca. 2 min 15 sec, nach der Laudatio von Maria Furtwängler).
 
Oder auch eine wirklich sehr gute Version von „A Thousend Years“ von Sting.